BOMBENANSCHLAG AUF MALLORCA
Urlaubsfreude nach Bombenanschlag
(Mallorca, 02.08.2009) Nach dem Bombenanschlag in Palmanova, bei dem am Donnerstag zwei Polizisten ums Leben kamen, ist auf Mallorca rasch wieder Normalität eingekehrt.
Als am Donnerstagnachmittag im Ferienort Palmanova an der westlichen Bucht von Palma vor einer Polizeikaserne der Guardia Civil eine Bombe explodierte, waren die Schlagzeilen schnell getextet:
»Anschlag stürzt Mallorca ins Chaos«, »Ausnahmezustand im Urlaubsparadies« und »Urlauber-Chaos auf Mallorca« sind nur drei Beispiel der Titel namhafter deutscher Online-Nachrichtenportale.
Die Realität auf der Insel war jedoch anders. So erfuhren viele Touristen erst durch besorgte Anrufe und SMS aus Deutschland vom Anschlag.
Selbst am Flughafen von Palma, der direkt nach dem Anschlag vollständig gesperrt wurde, sickerte die Nachricht erst nach und nach durch.
Es machte den Anschein, als seien die Urlauber eher über die Nachrichtenpolitik und die langen Wartezeiten verärgert als sich über den Anschlag und die Folgen zu sorgen.
Nachdem auch die Zufahrtswege zum Flughafen und den Fährhäfen gesperrt wurden, kam es zeitweilig zu erheblichen Behinderungen auf den Autobahnen und Straßen der Inselhauptstadt.
Erst durch diese Maßnahmen und den verstärkten Personenkontrollen wurde die Brisanz der Ausnahmesituation allgegenwärtig.
Als nach knapp 2 Stunden der Flugverkehr wieder freigegeben wurde, konnten auch die verspäteten Flüge in Richtung Deutschland starten.
Da es auf Mallorca kein Nachtflugverbot gibt, wurden die Verspätungen bereits im Laufe des Abends aufgeholt.
Die letzten Maschinen landeten – teilweise mit Ausnahmegenehmigungen – kurz vor 2 Uhr in Deutschland.
Touristen blieben gelassen
Die meisten Touristen blieben aber gelassen und setzten ihren Urlaub unbekümmert fort.
Auch kam es nach Angaben der Reiseveranstalter und Fluggesellschaften zu keinen Stornierungen in Folge der Ereignisse.
Extra eingerichtete Infotelefone wurden nicht in Anspruch genommen.
Auch das spanische Königspaar kam wie geplant am Samstag auf die Insel um den Sommerurlaub auf Mallorca zu verbringen.
König Juan Carlos und Königin Sofia verbringen den August traditionell in ihrer Sommerresidenz in der Nähe von Palma – nur wenige Kilometer vom Tatort in Palmanova entfernt.
Suche nach den mutmaßlichen Tätern geht weiter
Gleichzeitig geht die Suche nach den mutmaßlichen Tätern weiter.
Nach offiziellen Angaben wurde die Fahndung nach 6 Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA verstärkt.
Da diese sich vermutlich immer noch auf Mallorca aufhalten sollen, durchkämmen 1600 Polizisten die Insel.
Dieses ist die größte Fahndung auf Mallorca, die jemals durchgeführt wurde.
Mallorca galt bisher als sicher
Aufgrund der Insellage galt Mallorca bisher als sicher.
Vermutlich versucht die ETA (»Euskadi Ta Askatasuna«, baskisch für »Das Baskenland und Freiheit«), die am 31. Juli 1959 gegründet wurde und seit dem die Forderungen nach einem autonomen Baskenland gewaltsame durchsetzen will, zum 50. Jahrestag seiner Gründung erneut Stärke zu demonstrieren.
Der Anschlag in Palmanova war der 5. Anschlag in Spanien in diesem Jahr, der der ETA zugeschrieben wird.
Die Ziele der Anschläge waren überwiegend Polizeistationen oder Gebäude der Partei des spanischen Ministerpräsidenten Zapatero (PSOE).
Dabei kamen insgesamt drei Polizisten ums Leben, mehrere Dutzend wurden verletzt.
Trauer auf Mallorca
Bei der offiziellen Trauerfreier für die Opfer in der Kathedrale von Palma war auch Kronprinz Felipe mit seiner Frau Letizia und seinen Schwestern anwesend.
Ebenso drückten der Präsident der Balearenregierung, der spanische Ministerpräsident sowie weitere führende Politiker ihre Trauer und Mitgefühl für die Hinterbliebenen aus.
Offiziell steht Mallorca bis Sonntag unter Trauer – an allen öffentlichen Gebäuden wehen die Fahnen auf Halbmast.
Keine Entschädigung für Urlauber
Auch wenn Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und sogar die Bundesregierung davon sprechen, dass Mallorca für Urlauber sicher sei, wird sich der ein oder andere überlegen, ob er seinen gebuchten Mallorcaurlaub in den nächsten Tagen und Wochen antreten will.
Bei Stornierungen oder Umbuchungen ist er aber auf die Kulanz der Veranstalter abgewiesen.
Offiziell gelten Terroranschläge zur »Höheren Gewalt». Urlauber haben also aufgrund dessen keinen Anspruch auf kostenlose Stornierung.
Auch deutsche Behörden sehen aktuell keinen Anlass, vor Reisen nach Mallorca zu warnen. (mallorca.de)
AKTUELL
Akute Grippegefahr auf Mallorca?
Wie viele europäische Regionen wurden auch die Balearen nicht von der als »Schweinegrippe« bekannt gewordenen Influenza verschont.
Bereits im April und Mai wurden erste Fälle auf der Insel bekannt – aber erst als die ersten deutschen Touristen sich mit dem Virus infiziert hatten, wurde das Thema auch von der deutschen Presse aufgegriffen.
Als in der letzten Woche bekannt wurde, dass es das erste Todesopfer nach der Virusinfektion auf Mallorca gegeben hat, erreichte das Thema »Mallorca« auch wieder die Titelseiten der deutschen Boulevardblätter.
Die Tote, die zunächst in vielen Medien als Touristin bezeichnet wurde, stammte aus Nigeria und lebte zeitweilig auf Mallorca.
Nach Angaben der Behörden seien aktuell bei 17 Menschen auf Mallorca der H1N1-Virus nachgewiesen worden.
Verglichen mit der landesweiten Zahl der Infizierten (in ganz Spanien sind es etwa 1.300) ist diese Zahl jedoch sehr gering.
Spanien gehört in Europa zu den Ländern mit der höchsten Infektionsrate.
Bei einer üblichen Inkubationszeit von 1 bis 4 Tagen treten die ersten Symptome bei den Urlaubern erst zu Hause auf und da in den ersten deutschen Bundesländern bereits an diesem Wochenende die erste größere Rückreisewelle zu erwarten ist, rechnen Behörden und Medien mit einem starken Anstieg der Infektionen in Deutschland.
Eine aktuelle Zahl wird aus Niedersachsen gemeldet: Von den gut 240 Erkrankten waren etwa 180 zuvor in Spanien – vermutlich überwiegend auf Mallorca.
Gesicherte Werte liegen jedoch nicht vor. Behörden und Gesundheitsexperten warnen aber eindringlich vor einer Hysterie.
Eine »Sommergrippe«, die man aus dem Urlaub mitgebracht hat, ist nicht unüblich. Und natürlich zählen die Balearen nach wie vor zu den beliebtesten Urlaubregionen der Deutschen.
Letztendlich freut sich die Presse auch im sog. »Sommerloch« über jedes Thema, mit dem sie bei einer Vielzahl der deutschen Urlauber Interesse wecken können.
Der bisherige Verlauf der »Schweinegrippe« ist weniger bedrohlich als noch im Frühjahr erwartet wurde.
Die Grippeviren der vergangenen Jahre haben durchaus mehr Todesopfer und Schwererkrankte gefordert. Diese Viren hatten allerdings weder einen solch markanten Namen, noch wurden Mallorca-Touristen infiziert.
Die Erkrankung, für die es zur Zeit noch keine vorbeugende Impfung gibt, zeichnet sich durch hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost sowie durch Halsschmerzen und Husten aus.
Bei diesen Symptomen sollte sich der Erkrankte sofort in ärztliche Behandlung begeben – ganz gleich, ob er aus Mallorca oder einer anderen Urlaubregion zurück nach Deutschland kam. (mallorca.de)