MIETWAGEN   DATENSCHUTZ   IMPRESSUM   DIENSTAG, 28. MÄRZ 2017
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MALLORQUINISCHES LEBEN
Mentalität und Lebensstil
Wenn man sich mit Mallorquinern über die – trotz wachsender Probleme in letzter Zeit – Errungenschaften des deutschen Sozialstaates unterhält, den umfassenden Kranken- und Versicherungsschutz, in den meisten Fällen vollen Lohn bei Krankheit oder die Höhe des Arbeitslosengeldes, können sie derart paradiesische Zustände kaum fassen. Nichtsdestoweniger äußern sie keine Sehnsucht nach einem solchen Paradies. Die Mallorquiner nehmen ihr Schicksal, wie es kommt, und tragen es mit grandeza ("Größe" und Würde).
Bescheidenheit
In vielen Dingen äußert sich mallorquinische grandeza und gleichzeitig Bescheidenheit. Zum Beispiel bei der Kleidung, die erstaunlich konservativ ist. Der gedeckte Anzug mit Krawatte ist für einen caballero in der Stadt selbstverständlich, sogar im Sommer bei großer Hitze. Auch in weniger begüterten Kreisen gibt man sich gepflegt, und selbst die Overalls von Arbeitern und Technikern haben Format. Ob es die Mitarbeiter der Gas- oder Elektrizitätswerke, die Postler oder Polizisten sind, allesamt treten sie in schnieker Uniform und auch sonst gepflegt auf. Eine Uniform macht aber in Spanien aus dessen Träger keinen anderen Menschen, was mitunter in Deutschland ganz anders ist. Bescheidenheit zeigen viele Mallorquiner in der Wohnung. Möbel schafft man sich einmal fürs Leben an. Der Wohnstil unterliegt kaum einer Mode. Was wir als überholt bezeichnen und ausrangieren würden, löst beim Mallorquiner keine Wünsche nach Neueinrichtung aus. Ein weiteres, gutes Beispiel für Bescheidenheit liefert die mallorquinische Küche; sie ist einfach und bodenständig. Das frito, ein Gemisch aus Innereien, Kartoffeln und Gemüse sowie das tumbet, ein Gemüseeintopf aus einheimischen Produkten, sind beliebte Standardgerichte. Fast jede Familie auf dem Land mästet ein Schwein, das im Spätherbst bei einer fröhlichen matanza (Schlachtfest) zu Wurst und Schinken verarbeitet wird. Dies ist immer eine Fiesta mit Freunden und Nachbarn. Auch wenn zu Weihnachten und Ostern richtig "aufgefahren" wird, beschränken sich die Gaumenkitzel auf Lamm, Kaninchen oder Spanferkel überwiegend in deftiger Zubereitung.
Nur nicht auffallen
Bescheidenheit ist auch der Grund dafür, daß man nicht zeigt, was man hat. Einfache Leute geben sich gutsituiert und Gutsituierte einfach – anzusehen ist es ihnen nicht unbedingt. "Nur nicht auffallen" heißt die Devise, und die verbietet weitgehend Statussymbole. Sollten Sie einmal hören, daß ein Mallorquiner überhaupt erwähnt, noch ein "Häuschen" in den Bergen zu haben, so kann es durchaus sein, daß es in Wirklichkeit ein prächtiger Besitz ist. Mallorquiner fallen auch selten mit ihren Autos auf. Generaldirektoren lassen sich nicht herumkutschieren und fahren keine Luxuskarosse, und die meisten Reichen, die es sich erlauben könnten, schon gar nicht. Mit dem Auto zu zeigen, was man ist und hat, wäre für die meisten Einheimischen unvorstellbar. Die Einordnung einer Person nach der Wagenkategorie ist nicht verbreitet. Man fährt Mittelklasse – Seat, Citroen oder Peugeot – oder, wenn es hochkommt, einen 5er-BMW, und zwar eher das vorletzte Modell. Wenn Sie auf Mallorca "dicke" Autos mit IB-Nummernschild sehen (IB steht für Islas Baleares), so sind die Besitzer fast immer ausländische Residenten, die ihren Wagen mitgebracht haben und darauf nicht verzichten mögen.
Schweigen ist Gold
Da "Angabe" nichts gilt, hat man keinen Grund, über sich und seinen Besitzstand zu reden. Wer wen kennt, mit wem Geschäfte macht, welches "krumme Ding" wer gedreht oder wieviel man an der Steuer vorbeigeschleust hat, darüber spricht man nicht. Wenn Sie in eine Bar kommen und die Männer lebhaft diskutieren hören, könnten Sie annehmen, daß Mallorquiner nicht schweigsam, sondern eher geschwätzig sind. Aber das täuscht. Männerthema Nr. 1 ist "Fußball", weit vor "Frauen", "Wetter" oder anderen Alltäglichkeiten. Und da nahezu jeden Tag Fußball im Fernsehen übertragen wird, gibt es immer Neuigkeiten, über die geredet werden muß. Und wenn einer doch mal ansetzt, etwas auszuplaudern, wird er durch eine lautlose Geste sofort zum Schweigen ermahnt. Dazu preßt man Daumen und Zeigefinger beider Hände zusammen, legt sie gegeneinander an die Lippen und zieht sie dann bis über die Mundwinkel: "Halt` bloß den Mund!" Geschwätzigkeit und Verschlossenheit stehen nicht im Widerspruch zueinander. Das Schweigen haben sie gelernt, zuletzt unter Franco, der den Mallorquinern sogar die eigene Sprache verbot. Das Schwätzen konnte er ihnen aber nicht verbieten. Aus der Zeit der Diktatur ist die Überzeugung geblieben, daß die Obrigkeit nicht alles wissen muß, vor allem nicht die Finanzbehörde. Mit Erstaunen ist immer wieder festzustellen, wie offen Nordländer über Finanzmanipulationen sprechen und wieviel sie wo "gebunkert" haben. Spanier hüllen sich über solche Themen in absolutes Schweigen. Für die verschiedenen Finanzgeschäfte besitzen viele gesonderte Bankkonten, die sie sorgsam trennen: nur eines ist das offizielle für die Steuer.

Aus Bescheidenheit, Unauffälligkeit und Schweigsamkeit wächst kein Neid. Wenn ich nicht zeige, was ich habe, bzw. nicht darüber rede, so die Erkenntnis, fehlt für Mißgunst die psychologische Basis. Aus diesem Grund ist die spanische Gesellschaft weitgehend "neidlos". Die Madrileños sind höchstens neidisch darauf, daß sich der FC Barcelona die besseren Fußballer leisten kann als Real Madrid. Aber dieser Neid ist von einer anderen Art. Er basiert auf der Konkurrenz zwischen der offiziellen Hauptstadt und Barcelona, die sich für die "wahre" Hauptstadt Spaniens hält. Wie wenig neidisch Mallorquiner sind, läßt sich an Wochenenden u.a. im Hafen von Portals beobachten. Dort liegen zahlreiche Yachten, die Millionen kosten. Spanische Familien bummeln daran vorbei und bewundern, wie es scheint, neidlos die zur Schau gestellte Pracht. Um die abgestellten Porsches, Ferraris und Rolls Royce brauchen die Eigentümer sich keine Sorge zu machen. Sie werden mit Vorsicht umgangen. "Glückliches Spanien" kann da nur sagen, wer weiß, wie sehr anderenorts der Neid gedeiht und oft sogar die Gerichte beschäftigt. Wo der Neid fehlt, schaut der Arme nicht bewundernd zum Reichen auf, und der Reiche blickt auch nicht herunter auf den Armen. Man geht unbekümmert miteinander um, sitzt und trinkt zusammen, und wer Geld hat, der bezahlt. Knapp bei Kasse zu sein, ist keine Schande, und man gibt es unter Freunden offen zu.
Der Tag eines Mallorquiners
Bekanntlich läuft auf Mallorca alles etwas langsamer als bei uns. Und das hat ja auch sein Gutes, z.B. werden dadurch die Nerven geschont. Außerdem macht das in Anbetracht der klimatischen Bedingungen in Spanien und speziell auf Mallorca Sinn. Der im folgenden skizzierte Ablauf trifft natürlich nicht auf jeden Mallorquiner und schon gar nicht auf Mallorquinerinnen zu, verdeutlicht aber in der Konzentration das Typische, wie anders z.B. das Alltagsleben eines berufstätigen Mannes auf der Insel im Vergleich zu Deutschland ist.
Am Morgen ins Büro
Ein im Berufsleben stehender Mallorquiner geht vor Arbeitsbeginn in die Bar, trinkt einen Milchkaffee, tunkt eine ensaimada (ein Hefe-Schmalzgebäck) hinein, liest Zeitung oder redet sich mit Freunden/Bekannten warm. Auf diese Art wach geworden, sieht er im Büro nach, was anliegt, hat Termine und Besprechungen. Das geht konzentriert bis gegen 12 Uhr. Dann ist es Zeit, eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Also wieder in die Bar, wo bei einem Schluck Bier oder Rotwein ein bocadillo (belegtes Brötchen) oder eine Portion tapas verzehrt werden. Nach 20 Minuten ist man zurück im Büro und arbeitet bis gegen 14.30 Uhr.
Siesta
Spätestens dann beginnt die siesta (mittägliche Ruhepause), die bis 16.30/17.00 Uhr geht. Wer nicht nach Hause fährt, besucht ein Restaurant, wo ausgiebig getafelt und diskutiert wird. Selbst ein preiswertes Menu (heute für etwa € 6 zu haben) besteht aus drei Gängen und einem anschließenden Kaffee, der niemals fehlen darf. Die Mittagssitzung zieht sich oft über die gesamte siesta. Für uns ist die siesta ein zwar im allgemeinen bekanntes, häufig belächeltes, aber selten ernst genommenes Phänomen. Auch wenn es in letzter Zeit im Rahmen der Globalisierung von Lebensstilen unübersehbare Auflösungstendenzen bei der mediterranen Mittagspause gibt, sollte man sich nicht wundern, wenn zwischen 13.00 Uhr und 17.00 Uhr, insbesondere auch in einer Großstadt wie Palma, wenig oder "gar nichts" läuft.
Der lange Abend
Nach der Siesta beginnt jedenfalls wieder die Arbeit, die bis 20 Uhr dauern kann. Dann verläßt man gut gelaunt das Büro, weil die Bar schon wartet. Dort trifft man sich auf eine copa (ein Glas) und schwätzt entspannt mit Kollegen oder Freunden bis gegen 21 Uhr. Jetzt ist es Zeit heimzugehen, weil im Familienkreis gegen 21.30 Uhr zu Abend gegessen wird, was sich bis Mitternacht hinziehen kann. Wenn das Abendessen im Restaurant stattfindet, fährt man gegen 21 Uhr nach Haus, zieht sich dort vielleicht um, lädt Frau und Kinder ins Auto und ist gegen 21.30 Uhr im Restaurant. Ein solcher Abend dauert oft länger, weil man auch nach dem Essen für den letzten Schluck wieder gerne eine Bar aufsucht.
Kontakte suchen und nutzen
Allein schon durch seine regelmäßigen Barbesuche hat ein Mallorquiner also sehr viele nützliche Kontakte. Man kennt sich eben lange, und natürlich nicht nur aus den Bars, sondern auch von den Institutos, den feinen Gymnasien für die Bessergestellten, vom Militär, von den Fraternidades, den Bruderschaften, die zu Ostern bei den Prozessionen zu sehen sind usw. Ganz Mallorca ist, so scheint es, eine verschworene Gemeinschaft, die zusammenhält. Auch das haben sie gelernt seit den Zeiten der Eroberer bis hin zum Caudillo Franco. Jeder weiß, wer einem wann helfen kann, und nutzt es. Deshalb ist es richtig und wichtig, die Freundschaft eines Mallorquiners zu suchen, wenn Sie auf Mallorca etwas erreichen wollen. Den finden Sie in der "richtigen" Bar – einer, in der spanische Geschäftsleute verkehren. Und diese Bars liegen immer im Umfeld von Ämtern und Behörden. Ohne Spanisch- und Fußballkenntnisse haben Sie in dieser Umgebung aber keine Chance. Auf welchem Tabellenplatz der Erstligist Real Mallorca gerade steht, wie er am Wochenende und überhaupt in der laufenden Saison gespielt hat, und wer die Hauptakteure sind, sollten Sie zumindest wissen. Wie Sie am besten über diesen Weg Kontakte herstellen, erfahren Sie im Abschnitt "Kontakt finden".
Amistades
Durch die "richtigen" Kontakte zu den "richtigen" Mallorquinern werden Sie auf der Insel durchaus einiges bewegen und erreichen können. In die amistades aber werden Sie nie hineinkommen. Das sind Männerfreundschaften, die durch gemeinsame Vergangenheit und Erlebnisse geprägt sind. Sie funktionieren wie Bruderschaften, nur, daß sie keinen Namen tragen. Solche amistades sind natürlich keineswegs eine spanische Besonderheit, denn überall gibt es bekanntlich "Amigo-Beziehungen" oder "Seilschaften". Hier wie dort ist der Zusammenhalt auch dadurch gegeben, daß man gelegentlich eine gemeinsame "Leiche im Keller" hat. Die amistades dienen eindeutig der gegenseitigen Vorteilnahme; ob es nun darum geht, billig ein Grundstück zu kaufen, einen Auftrag zu bekommen oder eine Genehmigung, die auf normalem Weg nicht zu haben wäre. Sie können sich vorstellen, daß dabei manchmal flott geschmiert wird, und zwar nicht unerheblich. Aber das ist ja auch keine spanische Besonderheit. Ab und zu kommt so etwas auch ans Licht, wie der Fall des ehemaligen Ministerpräsidenten Canellas, der sich einst am Bau des Straßentunnels nach Soller bereichert haben soll. Das kostete ihn zwar sein Amt, aber an Einfluß verloren hat er kaum. Derartige Vorkommnisse werden wie Verkehrsunfälle betrachtet, die schon mal passieren können. Dem Zusammenhalt der amistades tut dies kaum Abbruch.
Freiräume
Weniger Verbote
Durch die "richtigen" Kontakte zu den "richtigen" Mallorquinern werden Sie auf der Insel durchaus einiges bewegen und erreichen können. In die amistades aber werden Sie nie hineinkommen. Das sind Männerfreundschaften, die durch gemeinsame Vergangenheit und Erlebnisse geprägt sind. Sie funktionieren wie Bruderschaften, nur, daß sie keinen Namen tragen. Solche amistades sind natürlich keineswegs eine spanische Besonderheit, denn überall gibt es bekanntlich "Amigo-Beziehungen" oder "Seilschaften". Hier wie dort ist der Zusammenhalt auch dadurch gegeben, daß man gelegentlich eine gemeinsame "Leiche im Keller" hat. Die amistades dienen eindeutig der gegenseitigen Vorteilnahme; ob es nun darum geht, billig ein Grundstück zu kaufen, einen Auftrag zu bekommen oder eine Genehmigung, die auf normalem Weg nicht zu haben wäre. Sie können sich vorstellen, daß dabei manchmal flott geschmiert wird, und zwar nicht unerheblich. Aber das ist ja auch keine spanische Besonderheit. Ab und zu kommt so etwas auch ans Licht, wie der Fall des ehemaligen Ministerpräsidenten Canellas, der sich einst am Bau des Straßentunnels nach Soller bereichert haben soll. Das kostete ihn zwar sein Amt, aber an Einfluß verloren hat er kaum. Derartige Vorkommnisse werden wie Verkehrsunfälle betrachtet, die schon mal passieren können. Dem Zusammenhalt der amistades tut dies kaum Abbruch.
Fahrverhalten
Da das Auto in Spanien kein Statussymbol ist, wird auch nicht statusbewußt Auto gefahren. Manchem Deutschen, der gewohnt ist, seine PS-Überlegenheit anderen Verkehrsteilnehmern mit Lichthupe und Drängeln klarzumachen, könnte auf Mallorca etwas fehlen. Der "Stärkere" wartet dort in Ruhe den Moment zum Überholen ab. Wenn Ihnen jemand auf der Autobahn mit der Lichthupe "droht", ist es mit Sicherheit ein extranjero (Ausländer), der sich den hiesigen Sitten noch nicht angepaßt hat. Trotz Straßenverkehrsordnung folgen – wie gesagt – viele Einheimische am Steuer eigenen Gesetzen. Wohl deshalb empfinden Ausländer das Fahren auf Mallorca vielfach als gewöhnungsbedürftig – um es vorsichtig auszudrücken. Das allgemeine Verhalten auf den Autobahnen und Landstraßen unterscheidet sich stark von dem in der Stadt. Während außerhalb – auch nach deutschen Kriterien – eigentlich recht diszipliniert gefahren wird, überwiegt speziell in Palma ein undisziplinierter Fahrstil. Wenn Sie einen Mallorquiner darauf ansprechen, wird er nur mit den Schultern zucken und sagen "Es normál", mit dem Unterton: "Was wollen Sie?" Die hiesige "offensive" Fahrweise beruht dabei weniger auf Aggressivität als auf Unbekümmertheit. Normál ist z.B., daß Sie rechts und links überholt und geschnitten werden, daß beim Abbiegen nicht geblinkt und immer auch noch bei "Spätgelb" über Ampeln gebraust wird. Parken in der zweiten Reihe ist ebenfalls normal. Sollten Sie dadurch eingeklemmt sein, hupen Sie solange, bis jemand kommt. Wundern Sie sich nicht, wenn der Betreffende keine Eile zeigt und sich auch nicht entschuldigt. Blockiert jemand den fließenden Verkehr, so warten Bus, Taxi und andere PKW geduldig und ohne zu hupen, bis der Betreffende weiterfährt.
Karambolagen
Die eventuellen Folgen ihrer lockeren Fahrweise nehmen Spanier dabei anscheinend bewußt in Kauf. Sollten Sie jemals einen kleinen Schaden verursachen, werden Sie die Unterschiede zwischen Südländern und Mitteleuropäern bemerken. Während in nördlichen Breiten schon der kleinste Blechschaden eine mittlere Katastrophe auslöst mit Fotos, Protokollen und Schadensmeldungen bei der Versicherung und sich die Kontrahenten nicht selten in die Haare geraten, steigt hierzulande der "angerempelte" Fahrer ruhig aus und sieht sich den Schaden an. Handelt es sich lediglich um eine Delle oder eingedrückte Stoßstange, wird er mit den Schultern zucken und sich kaum aufregen. Das erwartet er auch von Ihnen. Und so steigt man wieder ein und fährt weiter. Das erklärt die vielen Autos auf Mallorca mit deutlichen "Berührungsspuren".
Die Polizei als Freund und Helfer
Die eventuellen Folgen ihrer lockeren Fahrweise nehmen Spanier dabei anscheinend bewußt in Kauf. Sollten Sie jemals einen kleinen Schaden verursachen, werden Sie die Unterschiede zwischen Südländern und Mitteleuropäern bemerken. Während in nördlichen Breiten schon der kleinste Blechschaden eine mittlere Katastrophe auslöst mit Fotos, Protokollen und Schadensmeldungen bei der Versicherung und sich die Kontrahenten nicht selten in die Haare geraten, steigt hierzulande der "angerempelte" Fahrer ruhig aus und sieht sich den Schaden an. Handelt es sich lediglich um eine Delle oder eingedrückte Stoßstange, wird er mit den Schultern zucken und sich kaum aufregen. Das erwartet er auch von Ihnen. Und so steigt man wieder ein und fährt weiter. Das erklärt die vielen Autos auf Mallorca mit deutlichen "Berührungsspuren".
Kein Drohen mit dem Anwalt
In Deutschland ist ein Anwalt fast schon so etwas wie ein ständiger Begleiter. »Sie werden von meinem Anwalt hören« ist im Streitfall eine gängige Drohung. Ein Heer deutscher Anwälte muß sich um Nichtigkeiten kümmern. In Spanien ist auch das ganz anders. Nehmen wir einmal an, Sie könnten eine Rechnung im Moment nicht bezahlen oder seien mit der Miete überfällig. Dann wird Sie hier der Lieferant/Vermieter anrufen oder aufsuchen und mit Ihnen erst einmal ausführlich darüber sprechen, warum Sie in dieser mißlichen Lage sind. Das Gespräch verläuft in einem freundlichen Ton, und der Gläubiger wird auch noch so dünne Ausreden zunächst akzeptieren und Verständnis für Ihre Situation zeigen. Am Schluß wird er Sie fragen, wann Sie denn wohl zahlen könnten. Wenn Sie dann sagen: »Na, vielleicht in vier Wochen«, wird er antworten: »Dann werde ich wieder nachfragen«. Selbst wenn Sie nach Ablauf dieser Zeit immer noch nicht zahlungsfähig sein sollten, ist eine Fristverlängerung möglich, ohne daß mit einem Anwalt gedroht wird.
Zahlungsmoral
Diese Großmütigkeit hat drei Gründe:
  • Erstens ist es in Spanien durchaus üblich, erst dann zu zahlen, wenn es nicht mehr anders geht. (Wer in Palma bei der GESA, der Elektrizitätsgesellschaft, beobachtet, wie viele Kunden dort in bar die roten Zettel bezahlen, auf denen die Abstellung des Stroms angedroht wird, bekommt einen Eindruck von der hiesigen zähen Zahlungsmoral).
  • Zweitens wissen alle, daß es bei der ineffizienten spanischen Justiz überhaupt keinen Sinn macht, einen Anwalt und die Gerichte zu bemühen, weil man zu Lebzeiten u.U. nicht mehr zu seinem Recht kommt.
  • Und drittens gehört es zur Lebensphilosophie der Spanier, sich möglichst wenig aufzuregen.
Text: »Reif für Mallorca« aus dem Reise-Kow How-Verlag
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