MIETWAGEN   DATENSCHUTZ   IMPRESSUM   DIENSTAG, 28. MÄRZ 2017
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INSELLEBEN
Feliz año nuevo!
Die Verabschiedung des alten Jahres gleicht heutzutage irgendwie einer lustigen Zirkusveranstaltung, in der wir selbst die Hauptakteure sind und jeden Manegen-Clown locker an die Wand spielen könnten. Die Tanzfläche ist die Bühne für die Menagerie, die ausgelassen und temperamentvoll alle vier Extremitäten mit dem Rhythmus der Kapelle in Einklang zu bringen versucht: da schlenkern wiehernde, rassige Pferdchen die schlanken Fesseln, aufgeregt flatternde Täubchen verheddern sich im Seidenschal, von dem ihr Magier sie befreien will, schwer zu zähmende Mähnenlöwen rangeln mit Tigerdamen um die Führung - ein paar Elefanten und Trampeltiere sind natürlich auch dabei. Ja, sogar etliche wild gewordene Affen hopsen mit ihrem überschwappenden Weinglas in der Hand herum, und einer lässt, fast nach Menschenart, einfach seine brennende Zigarettenkippe mitten zwischen den Tänzern fallen; irgendein Fuß wird sie schon austreten!
Zugegeben, wir haben schon preisgünstiger den Jahreswechsel verlebt. Immerhin würde sich wenigstens für unsere mallorquinischen Freunde die Chance bieten, in fünf Tagen, wenn das Fest der Heiligen Drei Könige gefeiert wird, mit etwas Glück das Haushaltsgeld wieder aufstocken zu können. Allerdings erst nach dem Essen, wenn sie beim obligatorischen »roscón de Reyes« (Kranzkuchen zum Dreikönigstag) angekommen sein würden. Der »roscón« ist eine Art runder Hefezopf, der in eine goldene Pappkrone gebettet ist. Die mallorquinische Hausfrau kauft ihn in der Bäckerei, und er ist in jeder Familie der krönende Abschluß des Festessens. Jedes Familienmitglied, Omas, Tanten, Onkels, Cousinen und Großneffen, alle müssen sich nach dem Dessert noch ein Stück davon einverleiben. Wer dabei auf ein kleines Plastikfigürchen beißt, ist der König oder die Königin des Tages und darf sich die Pappkrone aufs Haupt drücken. Wer allerdings die im Teig versteckte Bohne erwischt, zahlt die Rechnung!

Immer wenn ich wieder auf Mallorca bin, führt mich mein erster Weg zur Sparkasse, um meine Kontoauszüge zu sichten (vielleicht sollte ich doch mal beim Losverkäufer der Blindenlotterie »once« mein Glück versuchen).

Einer der 700 auf den Balearen tätigen Sehbehinderten drückt sich immer in der Nähe des Eingangs herum und hofft, dass ich zumindest 1,50 Euro für einen »cupón diario« locker mache. Der Hauptgewinn würde mir schließlich 300.000 Euro einbringen. Für 2,50 Euro könnte ich kurz vor Weihnachten sogar Millionen gewinnen! Anschließend geht es direkt zur Futtermittelhandlung. Dort sind neben dem dringend benötigten Katzenfutter auch Pflanzendünger, Erde, Schneckenvernichter, Rattengift und Mausefallen sowie anderes nützliches Zeug für Haus und Garten im Angebot. Diesmal hatte es mir besonders eine tönerne Eule angetan, die ich mir gut als Dekoration auf dem Mäuerchen meines Balkons vorstellen konnte. Sie war innen hohl und außen mit vielen runden Löchern verziert.

Während ich mir noch überlegte, ob ich die kleine, mittlere oder große Eule nehmen sollte, erzählte mir Margalida, dass »búhos« (Uhu) Glücksbringer seien, das garantiere sie mir. Aus ökonomischen und aus Platzgründen entschied ich mich für die kleine und dachte mir, dass die größeren, teureren Eulen auf jeden Fall dem Eulenmacher Glück brächten.

Während Margalida mir nun aus drei Säcken eine schmackhafte Mischung aus Katzentrockenfutter zusammenstellte, fing sie an, sich über die neue Währung auszulassen. Ob ich mich denn schon an den Ä-uro gewöhnt hätte? Sie selber habe da noch ihre Schwierigkeiten, vor allem deshalb, weil ihr die Scheine nicht sonderlich gefielen. Der Hauptgrund aber sei doch, dass es nun auf Mallorca so gut wie keine »millonarios« mehr gäbe!

Bisher war es nämlich so: eine Million Pesetas in Tausenderscheinen wog genau ein Kilo, und es war Brauch, die Millionäre, die man so kannte, in zwei Kilos, drei Kilos und fünf Kilos oder mehr Kilos einzuteilen. Man sagte zum Beispiel, der Sowieso ist zehn Kilos schwer. Oder ein Auto kostet dreieinhalb Kilos. Das ginge ja nun alles nicht mehr und man müsste diese alte Gewohnheit nun leider begraben. Soll man jemanden von jetzt an etwa in halben Kilos aufwiegen oder gar in Gramm? Margalidas Trauer war echt.
Text: »Mallorca – Handbuch für den optimalen Urlaub«
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