MIETWAGEN   DATENSCHUTZ   IMPRESSUM   DIENSTAG, 24. OKTOBER 2017
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INSELLEBEN
Weihnachten
Früher oder später möchte jeder Haus- und Fincabesitzer zum ersten Mal das Fest auf Mallorca verbringen. Hat man die erste Hürde im heimatlichen Reisebüro genommen und für die gewünschten Tage die Tickets für die Familie beisammen, was größere organisatorische Fähigkeiten voraussetzt, da Mutter schon eine Woche vorher fliegen möchte und die größeren Kinder spätestens am 30. Dezember nach Hause wollen, geht es mit den Vorbereitungen erst richtig los.
Es muß ja auch an alles gedacht werden.

Erstens müssen Geschenke möglichst kleinformatig und leicht sein, zumindest sollen sie in die Koffer passen.
Zweitens möchte man es im fernen Süden - muß man schon auf das norddeutsche Schmuddelwetter verzichten - so weihnachtlich wie möglich haben.
Im Handumdrehen ist ein Koffer bis oben hin vollgepackt mit Kerzen und Haltern, mit sternenbesetzten Tischdecken und Servietten, mit neuen Kugeln, originalverpackt im bruchsicheren Paket, mit Engelchen jeder Größe, mit elektrischen Minilichterketten und einer zweiten Verlängerungsschnur, mit einer Blechdose voll von selbstgebackenen Plätzchen sowie dem alten Fonduetopf nebst dazugehörigen Gabeln und Brennpaste. Die Weihnachtsliederkassetten dürfen auch nicht fehlen, ebensowenig wie die Geflügelzange!

Apropos Geflügel: »Ich muß doch wohl nicht auf die Weihnachtsgans verzichten, oder?«, tönt es männlich anspruchsvoll mitten in die Vorbereitungen und wird in den letzten zwei Wochen vorm Abflug zum Zentralthema: man könnte ja eine gefrorene polnische Gans im Handgepäck mitnehmen.
Da wir aber Ratten, Ameisen und Katzen bedenken müssen, und die Gans schon drei Tage zu früh aufgetaut sein würde, ja eigentlich schon bei der Ankunft am Flughafen in Palma ins Rohr müßte, verwerfen wir den Gedanken. Eine lebendige möchten wir auch nicht mitnehmen, da wir die Hundekiste in diesem Jahr noch für den Hund brauchen, und ihr im übrigen auch niemand zu gegebener Zeit den Hals umdrehen könnte. Also, keine Gans in diesem Jahr!
»Wieso, auf Mallorca wird man doch irgendwo eine Gans kaufen können! Schließlich leben schon genügend Deutsche auf der Insel!«
Nur die Ruhe, wir werden ja sehen. Für alle Fälle wandert noch ein Paket Klöße im praktischen Kochbeutel in den Koffer.
Nachdem unserem Jüngsten bereits vorm Abflug sein Arsenal an Chinaböllern und Leuchtraketen von der Sicherheitskontrolle abgenommen wurde, trifft die Familie mehr oder minder freudig gestimmt endlich auf unserer Finca ein.
Der Himmel ist blau, die Rosen blühen im Garten und aus dem Haus tönt vorweihnachtlich »I`m dreaming of a white Christmas«, unser aller Lieblingslied.
Drinnen alles weihnachtlich geschmückt mit Kerzenlicht und beinahe echtem Tannenbaum und Wacholdergirlande über der Tür. Der Kühlschrank ist gefüllt, und das Feuer brennt im Kamin.
Gut, daß Mutter schon vorgeflogen ist; sogar die Gans ist beim Schlachter bestellt!
»Ningún problema«, die Gänse kommen am 24sten aus Palma - ganz bestimmt!
Zugegeben, mit der weihnachtlichen Stimmung taten wir uns alle ein bißchen schwer. Besonders morgens beim Frühstück in der Sonne an der warmen Hauswand mit Blick in den Garten - auf die Rosen und Bougainvilleas, die Zitronen am Baum, auf die blühenden Aloes, die aussahen, als hätten sie rote Kerzen aufgesteckt und die großen weißen Glocken der Engelstrompete. Immerhin, die Pflanze hatte das gewisse Etwas.
Am Abend funktionierte es mit den Weihnachtsgefühlen wesentlich besser; nicht nur die Dunkelheit, die das Kerzenlicht so recht zur Geltung brachte, sondern vor allem die Temperaturen erinnerten uns an die kalte Jahreszeit.
Trotzdem, es war schon weise überlegt, daß Gottes Sohn im Mittelmeerraum zur Welt kam. Und der Gedanke daran und daß Maria ihn mittags in die wärmende Sonne legen konnte, zusammen mit dem Gebimmel der Schafe, das vom nachbarlichen Feld herüberklang, all das brachte uns in eine besondere Stimmung. So muß es damals gewesen sein. Wie schön, daß hier erst am 6. Januar die Heiligen Drei Könige die Geschenke für die Kinder bringen - wie damals in Bethlehem!
Am heiligen Abend gingen wir nach unserer deutschen Bescherung unterm goldgeschmückten Lorbeer-Pyramidenbaum in die Mitternachtsmesse der großen Kirche im Ort und setzten uns dort in die letzte Bank.
Die berühmte alte Orgel intonierte die uns bekannten Choräle, und der Pfarrer hielt seine Predigt. Da er sie in mallorquín abhielt, verstanden wir zwar kein Wort, aber am Tonfall und daran, daß Maria María und Josef so ähnlich hieß, merkten wir, daß gerade die Weihnachtsgeschichte vorgelesen wurde. Als wir, zusammen mit den Dorfbewohnern, durchs große Portal hinaus auf den hellerleuchteten, mit Lichtergirlanden geschmückten Marktplatz traten, überreichten die Kinder allen einen kleinen Olivenzweig, der mit einem Kärtchen mit weihnachtlichem Gruß versehen war: "Feliz Navidad".

Am ersten Weihnachtsfeiertag aßen wir dann mit Genuß und in froher Runde mit lieben Freunden - einen großen Truthahn. Die Frau des Schlachters bedauerte es sehr, aber die Gans war nun doch leider nicht aus Palma gekommen.
Text: »Eine Finca auf Mallorca«
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