MIETWAGEN   DATENSCHUTZ   IMPRESSUM   SONNTAG, 25. JUNI 2017
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INSELLEBEN
Moros contra Cristianos
von Elke Menzel/Santanyi

Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich noch gut an einen Ausflug mit unseren Freunden, Cati und Mateo. Wir wollten einmal beim Kampf der Christen gegen die Mauren hautnah dabei sein.
Das sollte uns auch gelingen. Es war noch nicht ganz dunkel, als wir ankamen, doch die Spannung, die über der Stadt lag, war mit Händen greifbar.
Die ganze Stadt fieberte – nicht nur, weil die Sommerhitze noch in den engen Gassen stand, sondern weil schon die Vorfreude auf das Kampfgetümmel zwischen Christen und Ungläubigen die Gemüter erhitzte. Schon vor Monaten war das alljährliche Gerangel ausgetragen worden, wer Christ sein muss und wer Maure sein darf.
Denn welcher stolze Spanier – da sind sich die Insulaner ausnahmsweise einmal mit den Festlandsbewohnern einig – läuft schon gerne stundenlang im Nachthemd in der Öffentlichkeit herum?
Moro sein ist deshalb viel beliebter unter den jungen Mallorquinern – da kann man(n) kostümmäßig in die Vollen gehen und in orientalischen Farborgien schwelgen: weite Pluderhosen, breite Schärpen um schmale Hüften, klimpernde goldene Münzgehänge auf nackten, braunen Heldenbrüsten, ein buntes Tuch, verwegen um die Stirn geknotet, sind nun mal weitaus attraktiver als der schönste Pyjama – sogar Augenklappen schmücken! Wir vier schlendern durch die merkwürdig leeren Straßen; es sieht so gar nicht nach Festspektakel aus. Nur in den Bars, an denen wir vorbeikommen, entdecken wir ein paar Einheimische, die in halbwegs weißen Schlafanzügen am Bartresen lümmeln. Sie werden doch wohl keinen Schlummertrunk nehmen? Ganz plötzlich geht es los: mit wildem Gebrüll prescht eine Horde losgelassener moros um die Ecke, quetscht sich – wie ein Leib – in die enge Gasse, johlt und grölt, rasselt mit den Säbeln, fuchtelt mit schweren Holzschwertern und Mistgabeln in der heißen Luft herum – ein leuchtend bunter lebendiger Kleiderhaufen stürzt sich mitten ins Herz der Altstadt, reißt alles um, was ihm im Weg ist.
Schwarz glänzende Turban gekrönte Gesichter blecken weiße Zähne und jagen jeden Zuschauer in den nächsten Hauseingang.
Rette sich, wer kann!
Wir schaffen es gerade noch, durch die nächstbeste offene Tür zu schlüpfen, bevor jemand von oben übers schmiedeeiserne Balkongeländer einen vollen Eimer über hitzigen Mohrenköpfen leert: zehn Liter kaltes Wasser sind jedoch eine willkommene Erfrischung für mindestens drei nebeneinander kämpfende Piraten – bei der Originalschlacht wird es wohl ein voller Nachttopf gewesen sein.
Dicht gedrängt stehen wir zusammen mit gut zwanzig anderen Leuten, von denen ein paar sicher die rechtmäßigen Bewohner sind, im Vorraum eines hübschen Stadthauses. Heute bleiben alle Türen offen, im Krieg rücken die Menschen zusammen.
Trotzdem hat mich noch kurz zuvor ein moro erwischt. Er schmatzte mir einen nassen Kuss mitten ins Gesicht; seine schwarze Schminke, in die mittlerweile der Schweiß helle Streifen zog, färbte den Bereich meines linken Mundwinkels kohlrabenschwarz: Symbol der Eroberung – wieder eine weiße Frau geschnappt!
Ein Schwall Fusel getränkten Atems raubte mir fast die Besinnung. Der stammte vom mezclat, einem Gebräu aus palo und cazalla, also zur Hälfte aus Mallorcas urtypischem Kräuterlikör auf Johannisbrotbasis und zur anderen Hälfte aus 52%igem, trockenen Anisschnaps, womit sich die Kämpfenden heute in die rechte Stimmung gebracht haben!
Doch die maurischen Piraten sind eindeutig auf der Flucht!
Denn kaum ist die Woge der moros vorbei, folgt schon die Welle der Verteidigung: die Christen überrollen nun ihrerseits jeden im Weg stehenden harmlosen Touristen, sind den moros in Temperament und Gebrüll durchaus ebenbürtig – obwohl sie in ihren wehenden weißen Nachthemden einen recht lächerlichen Eindruck hinterlassen.
Zum Glück küssen sie keine Zuschauer!
Text: »Mallorca für Leib und Seele« aus dem Reise-Kow How-Verlag.

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