Schwarz glänzende Turban gekrönte Gesichter blecken weiße Zähne und jagen jeden Zuschauer in den nächsten Hauseingang.
Rette sich, wer kann!
Wir schaffen es gerade noch, durch die nächstbeste offene Tür zu schlüpfen, bevor jemand von oben übers schmiedeeiserne Balkongeländer einen vollen Eimer über hitzigen Mohrenköpfen leert: zehn Liter kaltes Wasser sind jedoch eine willkommene Erfrischung für mindestens drei nebeneinander kämpfende Piraten – bei der Originalschlacht wird es wohl ein voller Nachttopf gewesen sein.
Dicht gedrängt stehen wir zusammen mit gut zwanzig anderen Leuten, von denen ein paar sicher die rechtmäßigen Bewohner sind, im Vorraum eines hübschen Stadthauses. Heute bleiben alle Türen offen, im Krieg rücken die Menschen zusammen.
Trotzdem hat mich noch kurz zuvor ein
moro erwischt. Er schmatzte mir einen nassen Kuss mitten ins Gesicht; seine schwarze Schminke, in die mittlerweile der Schweiß helle Streifen zog, färbte den Bereich meines linken Mundwinkels kohlrabenschwarz: Symbol der Eroberung – wieder eine weiße Frau geschnappt!
Ein Schwall Fusel getränkten Atems raubte mir fast die Besinnung. Der stammte vom mezclat, einem Gebräu aus
palo und
cazalla, also zur Hälfte aus Mallorcas urtypischem Kräuterlikör auf Johannisbrotbasis und zur anderen Hälfte aus 52%igem, trockenen Anisschnaps, womit sich die Kämpfenden heute in die rechte Stimmung gebracht haben!
Doch die maurischen Piraten sind eindeutig auf der Flucht!
Denn kaum ist die Woge der
moros vorbei, folgt schon die Welle der Verteidigung: die Christen überrollen nun ihrerseits jeden im Weg stehenden harmlosen Touristen, sind den moros in Temperament und Gebrüll durchaus ebenbürtig – obwohl sie in ihren wehenden weißen Nachthemden einen recht lächerlichen Eindruck hinterlassen.
Zum Glück küssen sie keine Zuschauer!
Text: »Mallorca für Leib und Seele« aus dem Reise-Kow How-Verlag.