MIETWAGEN   DATENSCHUTZ   IMPRESSUM   DIENSTAG, 24. OKTOBER 2017
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INSELLEBEN
Wie klingt Mallorca?
Unzählige Kofferkarrenräder scheppern und klacken über Endlosflure, dazwischen Rufen, Schreien, Lärmen; Laufbänder rattern, Koffer rumpeln, Radio-Player, mit einer Hand auf der Schulter gehalten, dudeln Urlaubsstimmung nicht nur ins Ohr ihrer Eigentümer, Lautsprecher plärren Zahlen und Zeiten, dreisprachig quäken sie uns an, unser Handgepäck im Auge zu behalten, Hunde winseln vor Wiedersehensfreude, aus einer Reisetasche miaut unsere Katze...
Ankunft auf Mallorca!
Als ob ein Orchester der Zukunft verzweifelt versucht, seine Instrumente aus Blech, Stahl und Eisen zu stimmen, um vielleicht doch noch den richtigen Ton zu finden, dröhnt eine Kakophonie aus dem Lärm startender und landender Flugzeuge, aus tausend röhrenden Motoren, aus dem rasselnden Brummen großer Autobusse, begleitet von einem Hupkonzert unterschiedlichster, nicht zusammenpassender Töne, in unserem Kopf.
Wir sind da – gerade eben gelandet auf der »Insel der Stille«.
Flucht ist der einzige Gedanke – nur weg von hier, so schnell es geht hinaus aufs Land.

Das Stakkato der Presslufthämmer gibt den Rhythmus vor, drei Schaufelbagger trampeln, jeder für sich, ihren eigenen Takt und singen, rückwärtsfahrend, immer das gleiche hohe Fis. Die Erde schreit. Schwere Eisenhämmer schlagen ihren Beat. Frisierte Mopeds knattern ungehindert ihre Runden – pausenlos –,
Wo ist sie, die Ruhe, la calma, el sosiego?
Doch halt, hier im Dorf spielt die Musik noch anders: mehr legato, mehr andante.
Nur in der Kneipe muss man die Stimme etwas anheben, um den Fernseher zu übertönen. Ach, was sage ich?, das macht bereits die Espressomaschine! Mit hohem Kreischen zermalmt sie die Kaffeebohnen und drückt stöhnend die schwarze Brühe in zu kleine Tassen.

Ansonsten ist es recht still, und wenn keine anderen Leute da sind, kann man fast das Flappen des großen Ventilators an der Decke hören.
Am frühen Sonntagmorgen knallen die Schüsse der Sonntagsjäger noch vor dem ersten Hahnenschrei und wecken die Leute, damit sie rechtzeitig zur Kirche kommen. Um zehn Uhr läuten die Glocken, und um Mitternacht kommt die Müllabfuhr. Da und dort bellt ein Hofhund, wenn sich jemand seiner Kette nähert, Schafe blöken und bimmeln so vor sich hin, und manchmal quiekt ein Schwein in Todesangst.
Ja, natürlich, im Sommer zirpen die Grillen, sie fangen pianissimo an und steigern sich, wie ein ganzes Violinorchester, zu einem schönen Crescendo, nur um ganz plötzlich abrupt abzubrechen, als wäre ihnen allen gleichzeitig der Bogen aus der Hand gefallen. Tag und Nacht spielen sie dasselbe Stück.
Und mein Nachbar zupft Gitarre und singt dazu – manchmal.
Aber das kennen Sie ja alles – das ist die Melodie des Lebens, nicht wahr?

Kennen Sie das rhythmische Klacken der langen Stangen, wenn im Spätsommer die Mandeln von den Ästen geschlagen werden? Wissen Sie, wie es klingt, wenn man mit beiden Händen im Korb zwischen den Mandelkernen wühlt? Oder wie die schwarzgereiften Johannisbrotfrüchte vom Baum fallen? Wie im Winter überreife Apfelsinen auf feuchte Erde plumpsen? Wie Regentropfen auf tönernen Dachpfannen klimpern?
Weil es ihnen manchmal zu still ist und weil die Mallorquiner ein musikalisches Volk sind, haben sie sich schon sehr früh der Musik zugewandt.
Das erste Instrument, dem sie einen ganzen Ton entlocken konnten, war wohl die Ximbomba. Aus Lehm und Ton formten sie ein Gefäß, einem großen Einmachglas nicht unähnlich, brannten es zusammen mit Töpfen und Tellern im Ofen. Wenn es ausgekühlt war und keinen Sprung bekommen hatte, spannten sie eine Tierhaut darüber, banden sie fest und steckten ein Bambusrohr genau durch die Mitte.
Danach klemmten sie sich die fertige Ximbomba zwischen die Knie, spuckten kräftig in die hohle Hand und bewegten dann die geschlossene Faust rhythmisch am Bambusstab auf und ab. Es klang wie – nun, irgendwie unanständig.
Große und kleine, weite und enge Tongefäße ergaben verschiedene Töne und dem frühmallorquinischen musikalischen Wunderkind die Möglichkeit, sich eine ganze «Ton»leiter zusammenzustellen.

Wie die Ximbomba klingt, kann man immer in der Nacht auf den 16. Januar hören, wenn im Dörfchen Sa Pobla zu Ehren des San Antoni die Teufel los sind.
Etwas anspruchsvoller ist da schon els ossos (mall. Knochen), der Vorläufer des »Klimperklaviers« unserer Kindertage, auch Xylophon genannt. Neun verschieden lange Schafsknöchelchen, der Größe und Klangfarbe nach geordnet und quer auf Schnüre gefädelt, ergaben eine Tonleiter im wahrsten Sinne des Wortes. Man hängte sie sich wie eine Kette um den Hals vor die Brust und klapperte mit einer halben Kastagnette auf ihnen herum. Die ossos gaben hohe und tiefe Klappertöne von sich, und der Interpret leistete echte Knochenarbeit.
Die jungen Leute der Musikschule in unserem Ort, die mich durch die Ausstellung antiker Musikinstrumente führten, meinten, es sei eindeutig ein Percussion-Instrument!

Als die Mallorquiner lernten, mit Metall umzugehen, erfanden sie die Triangel. Sie ist noch leichter zu spielen als ihre beiden Vorgänger – dazu braucht´s nur wenig musikalische Begabung.

Selbstverständlich haben die Inselbewohner im Laufe ihrer musikalischen Entwicklung Trommeln und Flöten hergestellt. Die flautas oder flavioles (span.,mall. Flöten), allesamt aus Schilfrohr geschnitzt, spielten früher die Hirten auf dem Feld. Heute hört man sie zweimal die Woche auf dem Markt – allerdings in der peruanischen Variante als Panflöte, mit CD-Begleitung und Verstärkerboxen.
Text: »Eine mallorquinische Reise« von Gordon West

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