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DIE INSEL
Bevölkerung
Bei einer Bevölkerung von 758.822 (Stand 2004) liegt die durchschnittliche Dichte mit 210 Einwohnern pro km2 etwa auf dem Niveau von Rheinland-Pfalz. Dabei konzentriert sich die Mehrheit auf den Großraum Palma und die fruchtbaren Ebenen zwischen der Hauptstadt und der Bucht von Alcúdia entlang der Hauptverkehrsachse Palma-Inca-Alcúdia. Die Küsten- und Gebirgsregionen und die Flachlandgebiete im Südosten sind nur dünn besiedelt. Außer in der Saison von etwa Anfang Mitte Mai bis Ende Oktober, in der das Gros der (im Jahr 2005 gezählten) 8.802.155 ausländischen Touristen (davon 3.378.986 aus Deutschland, 2.230.045 Großbritannien, 125.856 aus Österreich und 159.894 aus der Schweiz) in den Ferienzentren an den Stränden im Norden, Osten und Südwesten unterkommt.
Text: »Mallorca – Handbuch für den optimalen Urlaub«
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DIE INSEL
Mallorquiner und Ausländer
Eine solche touristische Invasion wirkt auf viele Einheimische wie die Besetzung durch fremde Armeen. Und Besatzer lieben die Insulaner gar nicht, die haben sie im Laufe ihrer Geschichte schon reichlich erlebt. Deshalb machte ein als ernsthafter Vorschlag getarnter «Scherz» auch ziemlich Furore, den sich vor einigen Jahren im Nachrichten-Sommerloch ein Bundestagsabgeordneter leistete: Er regte an, man solle doch den Spaniern Mallorca für ein paar Milliarden Mark abkaufen, und sorgte damit für eine Riesenschlagzeile in der auch auf Mallorca überall aushängenden Bild-Zeitung. Die Mallorquiner empfanden das als üble Anmaßung, die man den Deutschen noch lange ankreiden wird.
Stolz und Ehre und andere Unterschiede
Stolz, Ehre und Würde spielen im Gefühlsleben der Spanier eine viel wichtigere Rolle als bei uns. Spanier empfinden es als unwürdig, wenn Touristen in kurzen Shorts und nacktem Oberkörper oder Frauen im Strandoutfit durch Palma bummeln, derart leicht bekleidet in Lokalen sitzen oder gar Anstalten machen, so die Kathedrale zu besichtigen.
Die Mallorquiner bemühen sich zwar, unangemessene Verhaltensweisen dieser und anderer Art zu »übersehen«, aber man merkt ihnen oft genug an, wie sie trotzdem darunter leiden.
Ihre Einschätzung würdeloser forastres (Ausländer) steht ihnen ins Gesicht geschrieben.
So auch manchem Kellner, der von turistas dieser Sorte laut und vernehmlich mit Bestellungen, wie etwa: »He, Ober, zwei Bier, aber rapido«, traktiert wird. Selbst in der Bierstraße an der Playa de Palma macht die Bedienung oft genug nur gute Miene zu bösem Spiel.
Man kann gelegentlich spanisches Personal erleben, das es mit gespieltem sprachlichem »Unverständnis« bewußt darauf anlegt, daß solche Urlauber wütend das Lokal verlassen.
Temperament der Mallorquiner
»Mallorquiner sind von ihrem Temperament her ungefähr so weit vom stereotypen Bild des feurigen Spaniers entfernt wie wir selbst. Durch den intensiven Kontakt mit Besuchern aus aller Herren Länder ist in knapp drei Jahrzehnten aus einer rückständigen, traditionsbewußten Provinzregion Spaniens ein Stück Mitteleuropa mit hohem Lebensstandard geworden. Die spontane Verbrüderung mit Unbekannten gehört daher auch nicht gerade zu den typisch mallorquinischen Verhaltensweisen.«
Emotionaler Zwiespalt
Tatsächlich ist das Verhältnis der Mallorquiner zu den Besuchern zwiespältig. Einerseits widerspricht die touristische Invasion ihren Vorstellungen, und das Verhalten vieler Urlauber und Residenten beleidigt ihren Stolz. Andererseits ist das Geld der Ausländer natürlich willkommen. Die Balearen verfügen über das höchste Sozialprodukt pro Kopf und die niedrigste Arbeitslosenquote aller spanischen Provinzen. Jedermann auf Mallorca weiß, daß die Insel ihren Wohlstand dem Tourismus verdankt, verdrängt aber diese Tatsache gerne.
Sprachbarriere Mallorquin
Obwohl Kastilisch (castellano), das Hochspanische, und Malloriquin (mallorquí/catalán) gleichberechtigte Amtssprachen sind, erfolgen offizielle Bekanntmachungen der Inselregierung vermehrt nur noch in catalán. Dasselbe gilt auch für viele amtliche Formulare mit der Fnolge, daß selbst Festlandspanier bei Behördengängen oft Übersetzungshilfen benötigen.
Mit der Bevorzugung der eigenen Sprache betont man ganz bewußt die vor allem in der Franco-Zeit unterdrückte Eigenständigkeit der Batlearen. Im Inselinneren kann es schon mal vorkommen, daß Sie ein Mallorquiner nicht verstehen will, wenn Sie ihn auf Spanisch ansprechen. Dies steht durchaus in Einklang mit der Position der Balearenregierung, die ausländischen Residenten nachdrücklich empfiehlt, sich zu integrieren; sprich, Mallorquin zu lernen. Mallorca sei eben aultonome Provinz und erst in zweiter Linie Spanien, heißt es.
Text: »Reif für Mallorca« aus dem Reise-Kow How-Verlag
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